Industrie 4.0 – Ein Schlagwort das derzeit die (Unternehmungs-)Welt bewegt. Doch was ist Industrie 4.0 und welche Auswirkungen hat dies auf den Arbeitnehmer?

Die vollständige Digitalisierung

Industrie 4.0 soll die vierte industrielle Revolution zum Ausdruck bringen und steht für eine vollständig digitalisierte Abbildung der Wertschöpfungskette, indem Geräte, Maschinen und Materialien miteinander vernetzt sind und entsprechend miteinander kommunizieren. Auf Basis von Themen wie Internet of Things, Big Data und Cloud Computing entstehen cyber-physische Systeme welche am Ende die Entstehung einer Smart Factory ermöglichen sollen. Dadurch können physische und virtuelle Systeme miteinander verbunden werden und komplexe (Produktions-)Abläufe analysiert und optimiert werden.FlyerIndustrie_4_0-001

Eine Thematik die auch beim vergangenen AIHK Anlass „Industrie 4.0″ an der FHNW in Brugg-Windisch thematisiert und halbtägig erörtert wurde. Spannende Einblicke in die sehr proaktive, fast schon radikale Entwicklung zum Industrie 4.0 Standard im Nachbarland Deutschland gab Dipl.-Ing. Moritz Hämmerle vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Einen interessanten Vortrag gab auch Philippe Ramseier, CEO und Inhaber der Autexis Control AG, der über die ersten Anwendungen von Industrie 4.0 in Form von Beispielen aus der industriellen Praxis referierte.

Nicht nur dieser Anlass macht eines deutlich: Vor der Revolution „Industrie 4.0“  kann und wird man nicht die Augen verschließen können und als Unternehmung muss man sich den Herausforderungen stellen müssen, liegen doch die Vorzüge auf der Hand.

Ein riesiges Potential für die Wirtschaft

Quelle: Dipl.-Ing. Moritz Hämmerle / Fraunhofer IAO

Quelle: Dipl.-Ing. Moritz Hämmerle / Fraunhofer IAO

Man stelle sich vor, man „checke“ an der Werkbank ein, der Computer greift auf die persönlichen Daten sowie meine letzten Arbeiten zurück,  nivelliert den Arbeitsplatz auf meine persönlichen Anforderungen, stellt mir automatisiert meine benötigten Werkzeuge und Materialien zur Verfügung und ruft mir dann noch via Screen automatisch die nötigen Arbeitsvorgänge nochmals in Erinnerung bzw. macht diese Schritt-für-Schritt abrufbar.

Oder die Möglichkeiten, wenn man die Produktionsmaschinen weltweit vernetzt und somit nicht nur weltweit Zugriff auf die Steuerung der Anlagen hat, sondern eben auch eine Datensammlung über Unternehmensgrenzen hinweg und somit  den Austausch von Prozessdaten zwischen den Maschinen bzw. den global im (Kunden-)Einsatz befindlichen Anlagen ermöglicht.

Trotz vieler Diskussionen über Sicherheitsbedenken bzw. notwendiger Securitystandards ist Industrie 4.0 sehr spannend und sehr lukrativ, sieht man bis 2025 weltweit einen Mehrwert von 11 Billionen Dollar, so dass zum Beispiel Deutschland bereits Investitionen in Höhe von 40 Milliarden Euro jährlich plant.

Soweit so gut – jedoch welche Auswirkungen hat dies auf den Arbeitsmarkt, besser gesagt für den Arbeitnehmer?

Stark verändertes Anforderungsprofil

Wahrscheinlichkeit Digitalisierung Job ersetztMan muss davon ausgehen, dass es eine recht radikale Verschiebung auf dem Arbeitsmarkt geben wird und speziell in der produzierenden Industrie viele heute gefragte Facharbeiter an den Produktionsstraßen zukünftig wegfallen werden. So hat zum Beispiel das Berufsbild Maschinist im Zuge der Digitalisierung ein Risiko von 45 Prozent Arbeitsplatzabbau über die nächsten 20 Jahre.

Konrad Wegener von der ETH Zürich, geht sogar davon aus, dass es in der Schweiz bald keine Arbeitsplätze für Ungelernte mehr geben wird. Auf der anderen Seite rechnet man aber in Deutschland von einer Überkompensation von knapp 400.000 neuen Arbeitsplätzen, welche im Zuge der industriellen Revolution einhergehen werden.

Gemäss einer Studie von Fraunhofer IAO und Ingenics verschiebt sich das Anforderungsprofil vom Produktionsmitarbeiter hin zu einem Mitarbeiter mit hoher Handlungskompetenz und fundierter Kompetenz in interdisziplinärem Denken und Handeln. Durch die steigende Digitalisierung wird ein IT Wissen genauso bedeutend wie sehr gutes System- und Prozesswissen und der Fähigkeit die komplexen Daten und Prozesse verstehen und auswerten zu können.

Quelle: Dipl.-Ing. Moritz Hämmerle / Fraunhofer IAO

Quelle: Dipl.-Ing. Moritz Hämmerle / Fraunhofer IAO

Vom heutigen Status-Quo ausgehend, wird Bildung, gleich ob Aus- oder Weiterbildung für den Arbeitnehmer von morgen mal wieder ein großes Thema, um sich den Anforderungen der Zukunft stellen zu können. Fachliche Ausbildungen werden unabdingbar, um auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Auf den ersten Blick erscheint Industrie 4.0 eine „bessere“ Chance für Hochqualifizierte wie Fachkräfte zu sein. Es bleibt aber abzuwarten inwieweit der „klassische“ Produktionsmitarbeiter aussterben wird – bedarf es wohl weiterhin ein gewisses Basiswissen um Anforderungen an die Maschinen und (Problem-) Lösungen verstehen und herbeiführen zu können. Ging man beim Paperless Office doch auch vom papierlosen Office der Zukunft aus…

Was bleibt, ist die Tatsache, dass auf der einen Seite noch ein langer Weg vor uns liegt, bis ein Industrie 4.0 Standard schweizweit umgesetzt ist, aber die Revolution wird kommen und wir müssen uns dafür wappnen. Deshalb beschäftigen wir uns als Personalberatung schon heute mit diesem wichtigen Thema von morgen, so dass wir auch zukünftig ein verlässlicher Geschäftspartner für unsere Kunden sind sowie unsere Mitarbeiter durch notwendige Weiterbildungen fit zu machen.

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