Im Juni lud Swissstaffing zum Regiomeeting in Basel und informierte nebst anderen Themen über eine neue Regelung für das temptraining. Über die Bedeutung des Themas und die verbundenen Auswirkungen war man sich im Vorfeld nicht bewusst.

Im Zuge von einem erkannten Strukturdefizit hat sich Swissstaffing dazu entschlossen, die Rahmenbedingungen für das temptraining zu ändern. Dabei werfen die neuen Anforderungen einige Fragen auf und entziehen den Personalverleihern die dem Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih unterstehen auch Argumente „pro“ temporärer Anstellung.

Um was geht es?

Sofern man dem GAV Personalverleih unterliegt, profitieren Mitarbeitende bei einer temporären Anstellung unter folgenden Voraussetzungen von einer subventionierten Weiterbildung:

  • Innert 12 Monaten mind. 22 Tage (176 Stunden) temporär gearbeitet.

  • Beitrag für Weiterbildung und Vollzug wurde entrichtet.

  • Institut von temptraining anerkannt.

Die Weiterbildung wurde in einem Zeitraum von 12 Monaten mit folgenden Ansprüchen subventioniert:

  • CHF 5.000 für Weiterbildung.

  • CHF 2.300 für Lohnausfall (nur innert ersten 6 Monate während der Weiterbildung). 

Da man „sehr grosszügig mit der Gutheissung von Ansprüchen umging und die Anforderungen bewusst niedrig gehalten hatte, hat man in der Zwischenzeit ein Strukturdefizit ausgemacht.“ Deswegen hat Swissstaffing ab Sommer 2016 gravierende Änderungen umgesetzt, die unserer Meinung nach noch für viel Unmut bei den Beratungsfirmen wie auch temporären Mitarbeitenden führen wird.

Die wichtigsten Änderungen in Kürze:

  • Anspruchsstaffelung für Weiterbildung

     352 Stunden – 1000 CHF
    528 Stunden – max. 2000 CHF
    704 Stunden – max. 4000 CHF
  • Lohnausfall

     352 Stunden – 750 CHF
     528 Stunden – max. 1000 CHF
     704 Stunden – max. 2000 CHF
  • Selbstbehalt

      Ab 1000 CHF Selbstbehalt für temporäre Mitarbeitende von 20 %
  • Wartezeit

     Wartefrist von 12 Monaten nach genehmigten Kurs
     Nach 12 Monaten beginnt erst wieder die Anrechnung – d.h. für vollen Weiterbildungszuschuss von 4.000 CHF Wartezeit von 16 Monaten nach genehmigten ersten Gesuch
  • Nicht anerkannte Kurse

     Keine Fernkurse
    Keine CAS, MAS, etc. Kurse
    Keine Firmeninternen Kurse
    Sofern anderweitige Subvention vorhanden, keine Bezuschussung

temptraining_Bild_deAus unserer Sicht ist eine Neustrukturierung zwar nachvollziehbar, aber die Änderungen sehen wir nicht als „kleine“ Anpassung an, sondern als Vollbremsung mit grossen Auswirkungen auf dem Markt. Konnte man auf Grund der bisherigen Regelung durchaus mit dem Argument „Temptraining“ werben, fällt dies unter den neuen Voraussetzungen eher weg.

Eine Anspruchsstaffelung ist verständlich und findet im Markt Unterstützung auch wenn die Zuschüsse gleichzeitig gesenkt wurden. Jedoch die Regelung der Wartefrist stösst sauer auf, wenn man bedenkt, dass,  auch wenn jemand durchgehend temporär arbeitet, der Temporäre erst nach der Wartefrist von 12 Monaten wieder „Anspruch erarbeitet“. In anderen Worten, nach 12 Monaten Wartefrist ist der Mitarbeitende am gleichen Punkt wie jemand der gerade erst anfängt temporär zu arbeiten – hat aber wohlgemerkt innerhalb der ganzen Zeit den Beitrag für Weiterbildung und Vollzug entrichtet – gleiches gilt auch für den Personalverleiher.

Das Argument, man habe falsch kalkuliert und war bewusst sehr grosszügig bei der Vergabe der Zuschüsse ist sehr dünn. Schwer kann eine Kalkulation ja nicht sein:

Anzahl temporäre Mitarbeiter mit Anspruchsrecht per Annum x maximaler Wert Zuschuss = Maximaler Zuschuss

Als Personalverleiher, der dem GAV Personalverleih untersteht, muss man sich schon fragen welchen Vorteil man noch daraus ziehen kann. Der mittlerweile in Kraft getretene GAV Personalverleih hatte hauptsächlich den Zweck die Anzahl der Betriebe die dem GAV Personalverleih unterstehen zu erhöhen und weitere Regelungen die man einzuhalten hat einzubauen.

Bei kritischer Betrachtung im Zusammenhang mit temptraining erkennt man ganz klar:

  • Einnahmen für Weiterbildung (und Vollzug) durch Anzahl Betriebe die dem GAV Personalverleih unterstehen erhöht. 

  • Ausgaben für temptraining werden drastisch reduziert. 

Man könnte auch den Eindruck bekommen, das die stetig steigenden internen Kosten bei Swissstaffing gedeckt werden müssen, bevor Temporärmitarbeitende und Betriebe wirklich einen Nutzen aus dem GAV und den beworbenen Angeboten ziehen können.

Wir sind sehr gespannt wohin die weitere Reise gehen wird und ob sich bei den Betrieben Widerstand regen wird.

Nochmals in der Übersicht:

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